Osterrundbrief 2021

Liebe Mitglieder und Freunde des Pommernkonventes, liebe Schwestern und Brüder

„Der Herr ist auferstanden!“ – mit dieser Feststellung begrüßen Christen sich traditioneller Weise am Ostermorgen und mit diesem fröhlichen Ruf will auch ich Sie mit herzlichen Segenswünschen aus dem Vorstand des Pommernkonventes begrüßen. Trotz aller Einschränkungen, Belastungen und Sorgen in dieser außergewöhnlichen Zeit der Pandemie wünsche ich Ihnen allen ein frohes Osterfest, denn was auch immer geschieht: „Der Herr ist auferstanden!“

Ich will den Brief mit einer kleinen Erinnerung beginnen.

Als vor dreißig Jahren, nach der Wiedervereinigung und der Neugründung der östlichen Bundesländer auch für Mecklenburg-Vorpommern eine Landesverfassung erarbeitet wurde, gab es von verschiedenen Seiten den Vorschlag, einen Gottesbezug in die Verfassung aufzunehmen. Es stellte sich schnell heraus, dass so ein Hinweis auf die Verantwortung vor Gott nicht die Mehrheit im Landtag finden würde. Auf Vorschlag der beiden Kirchen im Bundesland wurde statt dessen in die Grundsätze der Verfassung die Formulierung aufgenommen, dass alles politische Handeln „im Wissen um die Grenzen menschlichen Tuns“ erfolgt. Ich bin immer wieder froh darüber, dass dieser Hinweis in unserer Verfassung steht, denn zumindest eine Hälfte dessen, was mit einem Gottesbezug zum Ausdruck gebracht worden wäre, ist so verankert. Die andere Hälfte fehlt freilich, das Vertrauen und die Gewissheit, dass Gott diese Grenzen durchbrechen kann – so wie Ostern die Grenzen zwischen Tod und Leben, zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt, wie es so schön in unserem Glaubensbekenntnis heißt, durchlässig geworden sind.

Die Erinnerung an diese Vorgänge vor dreißig Jahren ist mir jetzt eine Hilfe. Die Grenzen menschlichen Tuns werden uns sehr unausweichlich vor Augen geführt, wenn es um die Bewältigung der Pandemie geht, ihrer Ursachen und ihrer Folgen. Fehler, Pannen, Ratlosigkeiten und Widersprüche in den Handlungen der Verantwortlichen und auch in den Analysen und Empfehlungen der Wissenschaftler legen davon ein beredtes Zeugnis ab.

Die Grenzen menschlichen Tuns sind offensichtlich erreicht. Wir sollten darauf nicht mit Spott und Häme, mit Besserwisserei oder wohlfeiler Schuldzuweisung reagieren, erst recht nicht mit Hysterie und verbaler oder tätiger Gewalt. Manche Nachrichten und manche Stimmungsmache in den Medien erfüllen mich eher mit Scham. Unser guter Beitrag in dieser Zeit kann nur die Fürbitte für alle Verantwortlichen sein und der nüchterne und illusionslose Blick darauf, dass wir eben in der sichtbaren, der unerlösten Welt leben und hier geduldig, nach besten Kräften und bestem Wissen unsere Verantwortung für bedrohtes Leben wahrnehmen müssen, immer die Grenzen menschlichen Tuns vor Augen und das Vertrauen im Herzen, dass Ostern der Sieg über alle Mächte des Todes beginnt.

Liebe Schwestern und Brüder im Pommernkonvent, ich schreibe diese Zeilen, weil ich aus manchen Nachrichten und Begegnungen weiß, wie schwer diese Zeit für viele aus unserer Mitte ist. Einsamkeit, Kontaktsperren, Erkrankung und Todeserfahrung zehren an unseren Nerven, schwächen unseren Lebensmut und stellen mitunter unser Gottvertrauen auf eine harte Bewährungsprobe. Ich selber empfinde es als besondere Belastung, dass keine Besuche in den hinterpommerschen Gemeinden möglich sind, die wie ganz Polen von der Pandemie hart betroffen sind und die, wie mir Propst Janusz Staszczak am Telefon berichtete, auch manche Todesfälle zu beklagen haben. Im Gebet dürfen wir uns untereinander und mit Gott verbunden wissen!

Wie die Dinge liegen, kann ich Ihnen in diesem Brief noch nicht mitteilen, wann und wo wir uns zur überfälligen Mitgliederversammlung und Jahrestagung treffen können. Ich hoffe sehr, dass es im August oder September möglich sein wird. Wir werden selbstverständlich rechtzeitig dazu einladen und die erforderlichen Unterlagen und Berichte zusenden. Vielleicht klappt es in Greifswald, wo im Pommerschen Landesmuseum morgen die neue Ausstellung „Pommern im 20. Jahrhundert“ eröffnet wird. Wie stets danke ich aber auch heute für alle Unterstützung unserer Arbeit durch Sie, für die Verbundenheit und die gute Gemeinschaft. Für die Briefempfänger dieses Rundbriefes lege ich wieder einen Überweisungsträger bei. (Für die Empfänger der elektronischen Version verweise ich auf die unten stehende Bankverbindung.) Niemand soll jetzt zu seinem Bankinstitut gehen, aber ich bin sicher, dass unsere polnischen Partnergemeinden weiterhin für unsere Hilfe sehr dankbar sein werden!

Ich schließe diesen Brief wieder mit dem herzlichen Wunsch, dass Sie alle gesund und behütet durch diese Zeit kommen möchten! Noch einmal grüße ich Sie mit dem Ostergruß „Der Herr ist auferstanden!“ und ich höre gerne in Gedanken Ihre Antwort, der nichts hinzuzufügen ist: „Er ist wahrhaftig auferstanden!“

In herzlicher Verbundenheit und mit besten Wünschen

Ihr

Christoph Ehricht

Gemeinschaft evangelischer Pommern. e. V.

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