Pfingsten 2008

Pfingsten in Stralsund und Hiddensee

Bei herrlichstem Pommernwetter verlebten wir die Pfingsttage in Pommern, genauer gesagt in Stralsund, verbunden mit einem Tagesausflug nach Hiddensee, dem Traumziel vieler Pommern. Dort interessierte uns besonders die Kirche in Klosters, die vieles enthält, was mir für pommersche Kirchen typisch scheint: den Taufengel und den Kanzelaltar aus der Zeit um 1780, dazu ein Kirchenschiff – ein Zeseschiff mit dunklen Segeln, ähnlich wie das Modell, das Pastor Dallmann für die Kreuzkirche in Stolp erbaut hatte – aus neuester Zeit. Die Kirchenführerin meint, es sei vor ein paar Jahren von einem Modellbauer gestiftet worden.

Am Pfarrhaus ist der Spruch angebracht: „Gottes sind Woge und Wind. Aber Segel und Steuer, daß ihr den Hafen gewinnt, sind euer.“ In ihm wird die nötige Ehrfurcht vor der Schöpfung ausgesprochen, aber auch, daß die guten und wichtigen Dinge für unser Leben oft die Frucht langen und schweren Mühens sind. In Hiddensee bemüht man sich besonders um die Erhaltung der Schöpfung. Bis zur Wende rationierte die Regierung den Zustrom durch den Einsatz nur wenigen Fähren; jetzt gibt es strenge Bauauflagen, damit die Insel nicht durch moderne Bauten verschandelt wird. Dazu kommt, daß nur eine begrenzte Menge Wasser auf der Insel gefördert werden kann – nicht genug für moderne Hotels mit Duschen. Auf der Insel bewegt man sich entweder mit dem Hafermotor oder dem Fahrrad: Auf dem Deich von Vitte nach Kloster gab es hundert Mal so viele Radler wie Fußgänger.

Am Pfingstmontag gingen wir in einen ökumenischen Gottesdienst der Marienkirche zu Stralsund, zu dem alle evangelischen Stadtgemeinden und die katholische Dreifaltigkeitsgemeinde eingeladen hatten, kein Wunder, daß sich die Bänke im Mittelschiff zusehends füllten. Ausdrücklich wurden die Pfingsturlauber von nah und fern begrüßt. Nicht alle Gottesdienstteilnehmer waren ständige Besucher dieser Kirche. Hinter uns bemerkte eine Frau: „Auf diesem Platz habe ich gern bei den Friedensgebeten im Herbst 1989 gesessen!“ Die Nachbarin antwortete: „Damals bekam ich meistens nur noch einen Stehplatz!“ Der evangelische Pastor trug einen Wagenrad-Kragen zu seinem Talar, ganz wie die Pastoren in Lübeck und Hamburg in alter hanseatischer Tradition.

Anschließend gerieten wir noch in Kundgebungen der beiden großen Volksparteien. Einiges haben sie gemeinsam: Ihre Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters sind beide unter 35 Jahren und veranstalteten zur gleichen Zeit ein Kinderfest, die einen auf dem Markplatz, wir bekamen einen Kugelschreiber, die anderen in der Nähe des Hafens, wo wir ein Stückchen Donauwelle bekamen. Der Wahlkampfleiter bekannte, daß er nicht getauft sei, aber immerhin verdanke er es einem Stralsunder Pastor, daß er in der Wendezeit in die SPD eingetreten sei. In den neunziger Jahren war er Ansprechpartner beim Treffen der PLM in Stralsund gewesen. Man rechnet in Stralsund mit einer Stichwahl.

In unserem Hotel am Hafen – im ehemaligen Sperrgebiet – hatte sich eine Großfamilie aus ganz Deutschland getroffen, die ihren Familientag im wunderschönen Pommern feiern wollte, wo noch manches an früher erinnert.

Rita Scheller

Gemeinschaft evangelischer Pommern. e. V.

%d Bloggern gefällt das: