Zweiter Sonntag nach Ostern

Das Wort zum Sonntag 18.04.2021

Der 2. Sonntag in der Osterzeit „Vom guten Hirten“ bedenkt die Themen Fürsorge und Mitverantwortung sowie Fremd- und Selbstbestimmung.

In der agrarischen Gesellschaft zu biblischer Zeit hütete der Hirte seine Herde, hielt sie zusammen und schützte sie vor dem Wolf.

Insofern bringt dieses historische Grundmotiv ganz elementar die aktuellen Sorgen und Nöte der Landwirte und Tierhalter unserer Tage zur Sprache.

Der Schutz jedes einzelnen Individuums wie auch der ganzen Herde war und ist lebensentscheidend.

Allen, denen Tiere oder Menschen anvertraut sind obliegt die Aufgabe, für andere Sorge zu tragen, zu hegen und zu pflegen und zugleich sich bewusst zu machen, dass unser aller Leben zu jeder Zeit bedroht ist. Irrwege und Abwege bleiben niemandem erspart; auch die Erfahrung ausgesetzt verlassen und einsam zu sein.

Die Unterscheidung von Hirte und Schaf berührt grundlegende Lebensempfindungen, die uns in Kindheitswelten zurückführen: Da ist jemand, der mich beschützt und umsorgt. Da ist eine, der ich vertrauen kann, die mich nicht im Stich lässt.

Der ostpreußische Philosoph Immanuel Kant schrieb: „Das Geheimnis des christlichen Glaubens sind die vier Worte des 23.Psalms: „Du bist bei mir“.

Kant bringt damit zum Ausdruck, dass der Glaube an Gott einen letzten Halt gibt. Da ist jemand, der unsichtbar und bedingungslos in allen Lebenslagen an meiner Seite steht.

Jeder Erwachsene weiß, was es heißt, sich verloren zu fühlen in der Welt, sich verirrt zu haben im Gestrüpp des Lebens oder sich bedroht zu fühlen im täglichen Existenzkampf.

Das Motiv des guten Hirten weckt zunächst einmal Vertrauen. Auch wenn es Wölfe im Schafspelz oder im Hirtengewand gibt. Der gute Hirte ist kein Aufseher, der die Türen abschließt, Menschen ein- und aussperrt, überall abgrenzt und reglementiert und Zuwiderhandlungen bestraft. Die Tiere seiner anvertrauten Herde lässt er frei weiden. Die biblischen Lesungen des Sonntags assoziieren aktuell die Fragen:

Wo müssen einerseits Grenzen zum lebenserhaltenden Schutz gezogen werden?

Wo aber werden andererseits auch freiheitliche Grundrechte der Herde beschnitten die das Maß des Erträglichen überschreiten?

Mehr dazu hören wir in den Gottesdiensten und Andachten an diesem Sonntag.

Pastor Bernhard Riedel – Penkun

Gemeinschaft evangelischer Pommern. e. V.

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